Während der vergangenen Jahre wurde das „Goldenen Buch“ (Gästebuch) der Grossen von 1823 immer als Aushängeschild (Deckblatt) der Sessionshefte publiziert und ebenso mit berechtigtem Stolz der kunsthistorisch interessierten Fachwelt zu Forschungszwecken in die Hand gegeben, ein Unikat, auf das keine andere der Kölner Fastelovendsgesellschaften verweisen kann. Auf der prunkvollen Vorderseite dieses vortrefflichen Kunstwerkes ist unten rechts eine gut zu entziffernde Signatur eingraviert: G.(abriel) Hermeling Cöln fecit, der „bedeutendste Goldschmied Kölns im 19. Jahrhundert“.
Im Mittelfeld der reich dekorierten Vorderseite ist eine Art zinnenbekrönter „Narrenburg“ dargestellt, hinter deren Gittern (oben) die Symbolfiguren von „Griesgram“ und „Muckenturm“ gefangen gesetzt, auch vom lustigen Jeckentreiben ausgeschlossen, zu sehen sind, unter gotischem, krabbengeziertem Dreipaß als Fachrelief, dann die Hauptfiguren der Kölner Narrenszene. Links nach historisch gesichertem Vorbild die „Jungfrau“, rechts der „Bauer“ komponiert als Schildhalter des helmgezierten Kölner Stadtwappens, ein seit dem späten Mittelalter bekanntes und vielfach verwendetes Ensemble. Etwas höher schließlich angesiedelt unser „Fürst der Freude“ in grün-gelb-weißer Narrenkappe und ebensolchem „Wams“, Zepter und Pritsche schwingend. Ihm vor allem gilt die darüber hängende festliche Girlande. Sie verläuft in das Schriftband „Allen Freud - Niemanns Leid“, eine Maxime, die damals proklamiert wurde und hier von einem Narr in Schellenkappe kundgemacht wird. Das Gesamtarrangement will auf die Lange Tradition kölnischen Fastnachtstreibens verweisen.
Die breite Randleiste rahmt sozusagen die Hauptpersonen des alten und doch immer wieder anders komponierten Jecken Lustbarkeit. In reiches gotisches Laubwerk sind (links) die historischen Figuren „Geckenbähnchen“ sowie ein tanzendes Paar der „Heilige Knäächte un Mägde“ eingebunden. Rechts dann „Besteva“ und „Hännesche“" aus dem Kölner Stockpuppentheater von 1802, darunter ein kölscher roter Funk und seine Marie, die damals allerdings noch von Männern dargestellt wurde. Alles Repräsentanten des ersten Rosenmontagszuges vom 10. Februar 1823. Unten wie oben schließt sich jeweils ein „Porträt“ an, ein fastnachtlich verbrämtes Symbol der vier Kardinaltugenden Weisheit, Besonnenheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit. Auf der Randoberleiste sieht der Betrachter links einen springenden Affen. Als Symbolfigur ist er in der Fastnachtsmotivik und auch sonst negativ besetzt. Steht für Böses und Lasterhaftes. Ihm gegenüber hat sich ein schwarzer Kater mit gesträubtem Fell in Abwehrstellung postiert.
Der untere Deckplattenrand offeriert die eigentliche Funktion unseres so aussagekräftigen „Goldenen Buches": „Wer Schirm und Hort und Stolz und Zier - Und Freund des Faschings für und für - Verewige sich selber hier !“ Wie Knospen sitzt auf „gotischen“ Blättern jeweils eine erkennbare, wohlgeformte „Belle“. Als sozusagen „akustisches“ Deckenattribut taucht sie in Köln seit dem frühen Mittelalter in der recht präzisen Beschreibung des „Bellejeck“ auf, der im „Geckenbähnche“ als „morio vulgo“, also als Hofnarr der Freien Reichsstadt Köln einen offiziösen Status besaß. Das Motiv der „Belle“ mitsamt dem Dekorum der Vorderseite gotische Laubranken ziert, umgeben von zierlichem Blattwerk, die vier Buchecken.
In der Manier des altertümlichen Folianten gliedern den Buchrücken silberne Bänder, deren Zwischenräume oben und unten durch einen nachempfundenen gotischen Fries begrenzt werden. Im mittleren großen Feld liest man in Art der Zentenar - Fraktur „Goldenes Buch der Grossen Carnevals-Gesellschaft Köln (gegründet 1823)“.
Zwischen den Zacken oben die großen Buchstaben C (arnevals) G (esellschaft) und unten K (ölner). Über dem Narr mit Schellenkappe und eben solchen Kragen vor gekreuztem Lorbeerblatt, Narrenzepter und Narrenspiegel (Fangnetz?) Hinweis auf das Gründungsjahr 1823. Selbst die Buchschließe wurde sorgfältig gearbeitet und mit der Kölner Fastelovendsdevise „Geck loß Geck elans“ geschmückt. Nicht nur das „Goldene Buch“, auch andere kostbare Utensilien aus dem „Tresor“ der. „Großen“ wurden bald über Köln hinaus bekannt. Das „Lieder- und Jahrbuch“ von 1905 berichtet davon: „Aus dem Ratsschatz der Großen Karnevalsgesellschaft hatten verschiedene Prunkstücke, die aus dem Atelier des Hofgoldschmiedes Gabriel Hermeling stammen, die weite Reise über das Weltmeer gemacht, um auf der Weltausstellung in St. Louis die Kölner Goldschmiedekunst zu vertreten. Das goldene Buch mit dem goldenen Tintenfaß und dem goldenen Löscher, das Präsidentenzepter, der Jubiläumspokal der Stadt Köln und der goldene Becher des Präsidenten trugen damit gleichzeitig den Ruhm unserer herrlichen „Großen“ in die Welt. Und mit dem „Grand prix“ ausgezeichnet, trafen sie kurz vor Schluß der Saison wieder bei der Gesellschaft ein“. Man sieht daran, welche Reputation die „Große“ auch außerhalb des Karnevals genoß und zur Geltung bringen konnte. In Köln war und blieb sie ein überaus wichtiger Träger wie Gestalter des Gemeinwesens. Die Grosse von 1823
|